Das agyptische Investiturritual.

Author:Bojowald, Stefan
Position:Book review
 
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Das agyptische Investiturritual. By martin bommas. BAR International Series, vol. 2562. Oxford: Archaeopress, 2013. Pp. xvi + 244, illus. [pounds sterling]41 (paper).

Die Rezension geht auf die Arbeit des Autors zum agyptischen Investiturritual ein, welcher Papyrus Moskau 314 als Hauptquelle zugrunde liegt. Der Aufbau des Buches schlie[ss]t folgende Teile ein: In Kapitel I wird der Text von pMoskau 314 in Umschrift, Ubersetzung und Kommentar verfugbar gemacht (pp. 1-97). Der Inhalt des Textes besteht aus 10 hymnischen Spruchen, die sich mit Anrufungen an die Kronenschlangen wenden. Die fruher ubliche Datierung in die Hyksoszeit wird zugunsten der 12. Dynastie korrigiert (p. 3). Die Diskussion des Textes wird durch haufige Exkurse unterbrochen, welche der Ubersichtlichkeit z. T. geschadet haben.

Das Kapitel II nahert sich von verschiedenen Seiten der Investitur des agyptischen Konigs an (pp. 99-160). Die Verwendung des Begriffes "Mannequin" (pp. 102ff.) fur die lebensgro[ss]en Ankleidestatuen des Konigs sieht verdachtig nach einem Anachronismus aus. Die historischen Ursprunge der rituellen Handlungen werden mit aller gebotenen Vorsicht in die 2. Dynastie zuruckverlegt (p. 109; Widerspruch zu p. 194, wo davon die Rede ist, dass sie kaum vor der 4. Dynastie nachweisbar seien!). Die Durchfuhrung des Investiturrituals ist laut Verf. in den Morgenstunden eines jeden Tages zu denken (p. 120). Die an diesem Prozess beteiligten Akteure werden zur Sprache gebracht, die sich aus den Reihen der Vorlesepriester, Friseure und Garderobiere rekrutiert haben (pp. 122-26). Die Erwahnung der Urausschlangen wird als klarer Hinweis auf den Konig als Ritualempfanger verstanden (p. 130). Das Morgenlied des Investiturrituals stellt eine Erweckungsformel dar, die am haufigsten im Gotterkult auftritt (pp. 133-34). Das konigliche Morgenlied des Mittleren Reiches ist offenbar spater auf die dortige Ebene transponiert worden (p. 135). Das Ziel des Rituals soli die Einfuhrung des Konigs in die weltlichen Amtsgeschafte gewesen sein, die auf gottlichen Auftrag geschehen sei (p. 140). Die Ablaufe vor, bei und nach dem Investiturritual werden rekonstruiert, das durch Reinigungen, der Uberreichung von Regalien und abschlie[ss]enden Opferhandlungen begleitet wird (pp. 145-54).

Das Kapitel III zeigt mogliche Querverbindungen zwischen dem koniglichen Investiturritual und Begrabnisritual des Verstorbenen auf (pp. 161-86). Die Verleihung der Jenseitsherrschaft an Osiris bzw. den...

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